Strategien um Corona auszuhalten

Hier gebe ich im Gespräch mit Frau Mag. Isabella Bergner Tipps, wie man in Corona-Zeiten den Alltag besser gestalten kann. Gesendet wurde das in Radio Kärnten am 25.4.2020. Original zum Nachhören bis 7 Tage nach der Sendung:

https://radiothek.orf.at/ktn/20200425/KGUMO/1587795595000

https://radiothek.orf.at/ktn/20200425/KRKW/1587816626000

https://radiothek.orf.at/ktn/20200425/KRKW/1587817270000

https://radiothek.orf.at/ktn/20200425/KRKW/1587818392000

…und als mp3-Download:

Radio Kärnten: Isabella Bergner interviewt Diana Schaffer zu Zufriedenheit in Corona-Zeiten

dazu gibt es auf ORF.at auch einen Artikel zum Nachlesen:

https://kaernten.orf.at/stories/3045768/

Hier eine Kopie des Artikels:

Soziales

Besondere Situationen gut überstehen

Social Distancing wird jede Gesellschaft noch so lange beschäftigen, solange es keine Behandlung für CoV gibt. Viele leiden unter Trennungen, andere unter der dauernden Nähe der Familie. Dazu kommen Homeschooling und Teleworking. Psychologin Diana Schaffer gibt Tipps.Online seit 30.4.2020, 7.03 UhrAuf Facebook teilenAuf Twitter teilenPer Mail verschicken

Laut Schaffer leiden viele Menschen (nicht nur in CoV-Zeiten), weil Kontakt zu anderen und auch Körperkontakt sehr wichtig seien, um sich wohl zu fühlen. Bei manchen Menschen könne der mangelnde Kontakt zu Depressionen führen. Ein recht junges Forschungsgebiet ist die „Lifestyle Medizin“. Die Kernfragen sind, wie stark hängen Lebensstil und Gesundheit zusammen und inwiefern wirken sich Veränderungen aus.

Studien zeigen, dass auch soziale Faktoren Krankheiten vorbeugen oder bei der Heilung helfen können, so Schaffer: „In dem Bereich zeigen viel Studien, dass einsame und isolierte Menschen drei bis zehnmal häufiger krank werden oder sogar früher sterben gegenüber Menschen, die sozial eingebunden sind.“ Doch nun sei man in einer paradoxen Situation: „Wir wissen im tiefsten Inneren, dass wir anderen Menschen nahe sein wollen. Andererseits wird genau das zur Bedrohung der Gesundheit, etwas, das Angst macht.“

Sich Ängsten stellen

Die Angst sei das nächste, womit man fertig werden müsse. Einerseits die Angst vor einer Ansteckung, andererseits die Angst, die entsteht, wenn man Jobverlust oder finanziellen Problemen umgehen müsse. „Auf körperlicher Ebene führt Angst zu Stress. Wenn dieser Stress zu lange andauert, wirkt sich das negativ auf das Immunsystem aus.“

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber, denn man neigt zu unüberlegten Handlungen, bekomme einen Tunnelblick. Man werde schnell gereizt. Aber genau dann, wenn es um Finanzen gehe, brauche man bewusste, überlegte Handlungen, um Lösungen zu finden, so die Psychologin.

Leben besteht aus Hochs und Tiefs

Aus der Distanz wirken manche Sorgen nicht mehr ganz so groß und schwer. Ein Blick zurück kann hier helfen: „Das Leben hat Hochs und Tiefs, das ist ganz normal. Wenn es einem gut geht und man im Hoch ist, ist es schwer, sich vorzustellen, dass es einem einmal schlecht gehen wird, und umgekehrt.“ Das ganze leben zu betrachten und das Muster zu erkennen, könne helfen, es auszuhalten. Man wisse, es werde irgendwann auch einmal besser.

Tagesstruktur hilft

Um sich in der Situation jetzt ablenken zu können, rät Schaffer zu einer guten Tagesstruktur. „Wenn man sich am Vorabend überlegt, was man am nächsten Tag tun möchte, vielleicht auch schriftlich, wirkt der Tag interessanter.“ Die frei gewordene Zeit könnte auch ein Experimentierfeld werden – Raum für etwas, dass man ja immer machen wollte, aber nie Zeit dafür hatte: „Vielleicht schreibt man gerne oder wollte immer schon malen oder nähen. Auch Fitnessübungen kann man machen.“ Man könne auch eine Bestandsaufnahme des Lebens machen. Seine Beziehungen, Beruf, Hobbys hinterfragen.

„Wenn man Kinder hat, kann man jetzt mit ihnen endlich einmal die Möglichkeit, qualitativ eine gute Zeit zu verbringen. Zum Beispiel einmal nur für das Kind da sein, zuhören, Vorschlägen nachgehen, verrückte Spiele spielen. Bei Kindern kann man interessanterweise sehen, dass sie bei großer Langeweile besonders kreative Spielideen haben.“MEHR ZUM THEMAHotlines und Links zu CoV Kärnten

Nicht den ganzen Tag Jogginganzug tragen

Für die Arbeit im Homeoffice hat Schaffer Tipps. Sie rät vom Jogginganzug ab: „Wenn man den Großteil des Tages in der Wohnung verbringt, verfällt man leicht in nachlässige Angewohnheiten. Wenn man sich Zuhause auch schön anzieht, steigert das das Selbstwertgefühl. Jeden Tag sollte man Sport oder Bewegung machen, das führt auf hormoneller Ebene dazu, dass man sich zufriedener fühlt.“

Rückzugsorte schaffen

Wenn viele Familienmitglieder auf engem Raum zusammen sind braucht jeder eine Pause, am besten in Form eines Rückzugsortes. Kommunikation ist außerdem wichtiger denn je. Wenn etwas stört, nicht schlucken, sondern gleich ansprechen. Häufig hört man die Parole „durchhalten“. Kein Begriff, den Psychologin Schaffer gerne hört: „Das Wort durchhalten suggeriert, dass es eine schwierige Zeit ist.“ Besser sei es, sich zu überlegen, was positiv sei. Vielleicht erkennt man Neues an sich selbst.

Für die einen gibt es zuviel Nähe, für die anderen zu wenig, Stichwort Großeltern: „Wichtig ist es, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Das ist durch die Technik oft relativ einfach möglich. Es kann eine Chance sein, dass sich Oma und Opa nun doch mit Whatsapp oder Skype vertraut machen und mit den Enkerln normal reden können.“

Kuchen Backen mit Onlinehilfe

Wer Sorge hat, dass einem die Themen ausgehen oder Kinder nicht lange nur plaudern wollen muss einfach kreativ werden: „Wenn das Kind älter ist, kann die Oma ein Kuchenrezept ansagen, das Kind führt es aus und so kann man gemeinsam Kuchen backen.“ Auch ein herzlicher Brief mit Zeichnung könne genauso warm ums Herz machen, wie eine Umarmung.

Andere ältere Menschen ziehen sich in der jetzigen Zeit mehr zurück, hier müssen Angehörige aktiv werden : „Wenn sich jemand zurückzieht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie in eine depressive Stimmung verfällt. Da wird es noch schwieriger, auf andere zuzugehen. Man braucht viel Geduld und Verständnis, aber man muss auf sie zugehen.“ Vertrauen darauf, dass alles gut ausgehen wird, könne helfen, weniger Angst zu haben, so die Psychologin.

In guten Zeiten Liste schreiben

Wenn man sich in einem Energieloch befindet oder dunkle Gedanken habe und es einem nicht gut gehe, sei es schwierig, kreative Ideen zu haben. Deswegen sei es sinnvoll, sich noch in guten Zeiten zu überlegen, was einem gut tun könne. Etwa eine Liste zu schreiben und umsetzen: „Eine gute Musik, Bad mit Duftöl, einen Spaziergang machen oder jemanden anrufen, der einem gut tut.“ Man werde überrascht sein, dass sich bald schon ein besseres Gefühl einstelle, wenn man etwas Schönes mache.

red, kaernten.ORF.at

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